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Besondere Elektrokardiogramme (EKG)

Patientin mit monomorpher Kammertachykardie

Anamnese

34-jährige Patientin klagt über Herzrasen beim Sport mit hämodynamischer Kompromittierung  in Form von Schwindel und Hypotonie. Im Notarzt-EKG konnte eine Breitkomplextachykardie dokumentiert werden, die mit Amiodaron i.v. kardiovertiert werden konnte. Keine Vorerkrankungen, leere Familienanamnese für kardiovaskuläre Erkrankungen oder einen plötzlichen Herztod.

 

EKG Befund

Sinusrhythmus, 60/min, S1Q3-Typ, PQ-Zeit 200ms, inkompletter Rechtsschenkelblock, QT-Zeit in der Norm, R-Progression regelrecht, Epsilonwelle in V1 und V2, T-Negativierung V1-V4, keine Ektopien.

 

Diagnose

Arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC)

 

Kommentar

Das vorliegende EKG zeigt die pathognomonischen elektrokardiographischen Zeichen einer ARVC mit Epsilonwelle in Ableitung V1 und V2 sowie T-Negativierungen V1-V4. Beide Veränderungen sind sogenannte Major-Kriterien für die Diagnose ARVC. Echokardiographisch zeigte sich ein dilatierter rechter Ventrikel mit schwer eingeschränkter systolischer Funktion (weiteres Major-Kriterium). Klassisch sind ebenfalls belastungsabhängige ventrikuläre Tachykardien. Der Patientin wurde ein Defibrillator implantiert und begleitend ein Betablocker verordnet.

Eigenartige P Welle

Anamnese

65-jähriger Patient stellt sich zur Beratung bei paroxysmalem Vorhofflimmern vor. Es besteht eine arterielle Hypertonie. Er klagt über rezidivierende Vorhofflimmer-bedingte Palpitationen, keine Angina pectoris, keine inadäquate Belastungsdyspnoe, keine Ödemneigung, keine Synkopen. Echokardiographisch zeigt sich eine LV-Hypertrophie mit diastolischer Dysfunktion sowie eine Dilatation des linken Vorhofs. Folgendes EKG wurde dokumentiert (25mm/s).

 

EKG Befund

Sinusrhythmus, 85/min, AV-Block I°, Rechtsschenkelblock, links-anteriorer Hemiblock, biphasische P-Welle (terminal negativ) in Ableitung II, III und aVF, Rechtsschenkelblock-entsprechende Erregungsrückbildungsstörungen. Keine Ektopien. Keine Hypertrophiezeichen.

 

Diagnose

Bachmann-Bündel-Block, AV-Block I°, bifaszikulärer Block (RSB und LAHB)

 

Kommentar

Das EKG zeigt den klassischen Befund der interatrialen Leitungsstörung eines Bachmann-Bündel-Blocks. Neben einer Verlängerung zeigt sich eine biphasische Morphologie der P-Welle mit terminal negativem Anteil. Dies weist auf eine kaudo-kraniale Erregung des linken Vorhofs hin. Bei Block im Bachmann-Bündel entfällt die Erregung über das Dach, so dass der linken Vorhof nur über den Koronarsinus (kaudo-kranial) erregt wird. Neben diesem Befund zeigt sich ein bifaszikulärer Block mit RSB und LAHB. Bei Leitungsstörungen auf Vorhof und AV-Knoten-Ebene wurde auf die Gabe von Antiarrhythmika verzichtet. Aufgrund des Leidensdrucks des Patienten wurde eine Lungenvenenisolation durchgeführt. In gleicher Untersuchung wurde eine suprahissäre Leitungsverzögerung als Ursache für den AV-Block I° nachgewiesen. Bei klinischer Asymptomatik und guter Belastbarkeit mit ausreichendem Frequenzanstieg unter Belastung besteht aktuell keine Indikation für einen Herzschrittmacher.

Bewusstlos nach Handyklingeln

Anamnese

Eine 20-jährige Patientin wurde am morgen vom Handyklingeln geweckt, setzte sich an die Bettkante und fiel wieder rücklings bewusstlos ins Bett zurück. Ihr Partner zog die Patientin auf den Boden, wo sie wieder zu sich kam. In der Notaufaufnahme verneinte die Patienten Vorerkrankungen. Sie nahm keine Medikamente ein. Anamnestisch erwähnte sie mehrerer Synkopen nach schreckhaften Ereignissen (unbekannte Laute/Töne, Horrorfilme). Familienanamnestisch beschreibt sie einen plötzlichen Todesfall einer Cousine, die an einem Krampfleiden gelitten habe.

 

EKG Befund

Sinusrhythmus, 88/min, Links-Typ, PQ 150ms, QRS 95ms, QT 420ms (QTc 509ms) R-Progression regelrecht, T-Wellen in II, V2-V5 mit Kerbung (sogen. „notching“), keine Ektopien, keine Hypertrophiezeichen.

 

Diagnose

Long QT II Syndrom

 

Kommentar

Das vorliegende EKG zeigt eine pathologische QT-Verlängerung mit einer QTc-Zeit von > 500ms. Nach Ausschluss erworbener Formen für eine QT-Verlängerung kann somit die Diagnose eines angeborenen Long-QT Syndroms gestellt werden. Zudem weisen die gekerbten T-Wellen und die klassische Anamnese mit Synkope nach Weckerklingeln auf ein Long QT II Syndrom hin. Diese Diagnose wurde durch eine humangenetische Untersuchung bestätigt. Die Patientin wurde auf den Betablocker Propranolol ret 80mg 2x/d eingestellt. Im Rahmen der familiären Umfelddiagnostik wurde das Long QT II Syndrom bei der Mutter der Patientin und der Tante (Mutter der Cousine) diagnostiziert. Mutmaßlich handelte es sich bei dem Todesfall der Cousine nicht um ein primäres Krampfleiden, sondern um Torsade-de-Pointes Tachykardien mit hypoxischem sekundären Krampf.

Junger Patient mit Belastungsdyspnoe

Anamnese

46-jähriger Patient, kardiologische Vorstellung zur Abklärung einer Herzinsuffienz NYHA II

 

EKG Befund

Sinusrhythmus 68/min, Linkstyp, Leitungszeiteneiten in der Norm, deutliche Zeichen einer LV-Hypertrophie mit ausgeprägten T-Negativierungen inferolateral.

 

Diagnose

Hypertrophe Kardiomyopathie vom apikalen Typ

 

Kommentar

Bei dem Patienten konnte bei einer Septumdicke von 20 mm die Diagnose einer hypertrophen Kardiomyopathie gestellt und auch genetisch gesichert werden. Vom Verteilungsmuster der Hypertrophie her besteht bei diesem Patienten ein apikaler Typ, eine Obstruktion im Ausflusstrakt liegt nicht vor. Typisches EKG-Zeichen einer apikalen Beteiligung bei einer HCM sind die ausgeprägten Erregungsrückbildungsstörungen über den präkordialen Ableitungen. Nach Diagnose einer hypertrophen Kardiomyopathie sollten die Patienten im Hinblick auf das Risiko eines plötzlichen Herztodes stratifiziert werden. Zusätzlich ist eine familiäre Umfelddiagnostik, zunächst bei Verwandten 1. Grades, aufgrund eines autosomal dominanten Vererbungsmusters dieser Erkrankung indiziert.

Breitkomplextachykardie

Anamnese

41-jähriger Patient stellt sich mit anhaltendem Herzrasen vor. Herzrasen habe er immer wieder seit ca. 2 Jahren. Keine Synkopen. Keine Angina pectoris. Keine Belastungsintoleranz.

 

EKG-Befund

Regelmäßige Breitkomplextachykardie, 125/min, ÜLT, Rechtsschenkelblock, Linksanteriorer Hemiblock, Block-bedingte Erregungsrückbildungsstörungen, AV-Dissoziation (V>A), am besten sichtbar in Ableitung II und V1.

 

Diagnose

Idiopathische linksventrikuläre, Verapamil-sensitive Tachykardie

 

Kommentar

Bei der idiopathischen linksventrikulären Tachykardie (ILVT) handelt es ich um eine ventrikuläre Tachykardie bei strukturell unauffälligem Herzen, meist bei Männern zwischen dem 10 und 40. Lebensjahr. Es handelt sich um ein fokales Re-Entry unter Beteiligung des links-ventrikulären His-Purkinje Systems. Elektrokardiographisch bietet die Tachykardie einen Rechtsschenkelblock und einen überdrehten Linkstyp (Austritt der Erregung im links-posterioren Faszikel) oder einem Rechtstyp (Austritt der Erregung aus dem links-anterioren Faszikel). Die Tachykardie kann leicht mit einer supraventrikulären Tachykardie und bifaszikulärem Block verwechselt werden. In dem aktuellen Fall kann über die AV-Dissoziation die Diagnose gestellt werden. Medikament der Wahl zur Terminierung und auch langfristigeren Therapie ist Verapamil. Die Katheterablation stellt einen kurativen Ansatz der Rhythmusstörung dar.

Paroxysmales Herzrasen

Anamnese

23-jährige Patientin mit rezidivierendem Herzrasen, gekennzeichnet durch regelmäßigen Puls ca. 180/min, plötzlicher Beginn und plötzliches Ende. Erstmalig im Alter von 15 Jahren aufgetreten. Maximale Dauer des Herzrasens 20 Minuten. Aktuell Auftreten des Herzrasens 1-2x/Monat. Keine EKG-Dokumentation bisher.

 

EKG Befund

Sinusrhythmus, 68/min, Steiltyp, wechselnde PQ-Zeit und QRS-Breite bei inkomplettem Rechtsschenkelblock, QT-Zeit in der Norm, wechselnde Erregungsrückbildungsstörungen mit ST/T-Negativierungen in V2-V6 , keine Ektopien, keine Hypertrophiezeichen.

 

Diagnose

WPW-Syndrom

 

Kommentar

Das EKG zeigt eine intermittierende Präexzitation im 1., 2., 5., 6., 8., 9. und 11. QRS-Komplex mit kurzer PQ-Zeit und Deltawelle, am besten in Ableitung II, III, aVF, V3-V6 zu erkennen. Die präexzitierten Schläge weisen im Rahmen der gestörten Erregungsausbreitung in der Kammer ebenfalls eine gestörte Erregungsrückbildung auf. Dem Vektor der Deltawelle nach liegt die akzessorische Leitungsbahn am Mitralklappenannulus in superior-posteriorer Lage.
Aufgrund des rez. symptomatischen Herzrasens und Dokumentation einer Deltawelle ist eine elektrophysiologische Untersuchung mit Ablation der akzessorischen Bahn indiziert.

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